„Das Team des Center for Entrepreneurship Düsseldorf an der Uni Düsseldorf bringt eine unglaubliche Erfahrung und ein riesiges Netzwerk mit.“

(v.l.n.r.): Johanna von Lobenstein, Alexander Braden,
Magnus Schückes und Leon Hillebrandt, das Gründungsteam der Elona Health GmbH, Es fehlt: Dr. Peter Neudeck.
© Elona Health GmbH

Die Verhaltenstherapie digital unterstützen und verbessern: Das ist das Ziel des fünfköpfigen Gründungsteams von Elona Health. Die Ausgründung der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat eine digitale Gesundheitsanwendung entwickelt, die von Patientinnen und Patienten sowie Therapeutinnen und Therapeuten gleichermaßen genutzt werden kann. Bei seinen Vorbereitungen wurde das Team vom Center for Entrepreneurship Düsseldorf (CEDUS) begleitet. Über die ersten Schritte von Elona Health berichtet Magnus Schückes, Co-Gründer und Geschäftsführer des Start-ups.

Herr Schückes, die App von Elona Health soll unterstützend in der Verhaltenstherapie eingesetzt werden. Wie soll das aussehen?
Schückes:
Unsere digitale Gesundheitsanwendung richtet sich sowohl an Patientinnen und Patienten als auch an Therapeutinnen und Therapeuten. Patientinnen und Patienten können mit Hilfe spezieller Übungen, Interventionen, Zeitpläne oder auch selbst erstellter Dokumentationen die Erkenntnisse aus den therapeutischen Sitzungen in ihren Alltag integrieren und ihre Erfahrungen in die jeweils folgende Sitzung einbringen. Psychotherapeutinnen und -therapeuten wiederum können mit der Anwendung den Therapieerfolg mitverfolgen und die Behandlung steuern, indem sie beispielsweise bestimmte Übungen als Hausaufgabe mitgeben. Dass Patientinnen und Patienten aufgefordert werden, zwischen den Sitzungen bestimmte Übungen durchzuführen, ist Teil einer jeden Verhaltenstherapie. Das ist nicht neu. Bislang werden diese Aufgaben allerdings in Papierform weitergegeben. Wir haben das Ganze digitalisiert und mit einer Reihe intelligenter Tools zur Selbstkontrolle und Dokumentation ergänzt.

Könnten Sie das an einem Beispiel erläutern?
Schückes:
Ja, klar. Aktuell fokussieren wir uns auf Patientinnen und Patienten mit Depressionen oder Angststörungen, weil das die häufigsten Indikationen in der ambulanten Psychotherapie sind. Therapeut und Patient legen in der Sitzung fest, welche Übungen und weiteren Maßnahmen aus der App bis zur nächsten Sitzung bearbeitet werden sollen. Unsere App bietet dazu über 350 multimediale Übungen und Inhalte an – passend zu den jeweiligen Indikationen und stets orientiert an Behandlungsleitlinien und -manualen. So bieten wir beispielsweise Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, durch Tages- oder Wochenplanungsmodule ihren Alltag zu strukturieren. Das ist insbesondere bei Depressionen eine wichtige Maßnahme. Darüber hinaus sich Patientinnen und Patienten intensiv mit ihren Emotionen auseinandersetzen, um den Zusammenhang zwischen Gefühlen, Verhaltensweisen und Gedanken zu verstehen. Über all das führen Patientinnen und Patienten mit Hilfe der App Buch, damit beide Seiten nachverfolgen können, ob und welche Fortschritte erreicht wurden. Im weiteren Therapieverlauf werden durch die Therapeutin bzw. den Therapeuten dann weitere Übungen freigeschaltet.

Es handelt sich dabei um sensible persönliche Daten. Wo werden die gespeichert?
Schückes:
Wir sind uns der Sensibilität der Daten sehr bewusst. Deswegen sind zum Beispiel auch nicht alle Inhalte, die die Patientinnen und Patienten in der App eintragen, für die Behandlerinnen und Behandler zugänglich. Patientinnen und Patienten haben stets die volle Hoheit über ihre Daten. Die Daten werden auf dem Smartphone ausschließlich während einer Nutzungssession gespeichert und anschließend gelöscht. Für eine dauerhafte Sicherung werden die Daten verschlüsselt auf Servern in Deutschland gespeichert, die speziell für deutsche Gesundheitsanwendungen zertifiziert sind.

Sie wurden bei Ihren Gründungsvorbereitungen vom Center für Entrepreneurship Düsseldorf, CEDUS, der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unterstützt. Wie sah diese Betreuung aus?
Schückes:
Die war sehr engmaschig und „hands on“. Das Team des CEDUS bringt eine unglaubliche Erfahrung und ein riesiges Netzwerk mit. Von der ersten Idee bis heute standen uns Ansprechpartnerinnen und -partner zur Verfügung, auf die wir jederzeit mit Fragen, Anregungen, Wünschen zugehen konnten. Gerade in der Anfangsphase war es für uns zum Beispiel wichtig, uns in diesem Dschungel aus Förderprogrammen zurechtzufinden und den Antrag für das EXIST-Gründerstipendium zu stellen. Eine große Unterstützung war auch der Zugriff auf das uniinterne Netzwerk. So sind wir zum Beispiel dank der Betreuung durch die Arbeitsgruppe für Klinische Psychologie unter der Leitung von Professor Reinhard Pietrowsky wissenschaftlich sehr gut aufgestellt. Professor Reinhard Pietrowsky ist inzwischen auch unser EXIST-Mentor und wirklich mit Herzblut dabei.

Das Gründungsteam von Elona Health ist ziemlich groß. Welchen Hintergrund bringen Sie und Ihre Co-Founder mit?
Schückes:
Wir sind zu fünft. Alexander Braden und ich sind Betriebswirte. Alexander hat vor einigen Jahren ein Studio für digitale Produkte und Software gegründet und geleitet. Fachlich wird das Team durch die Psychotherapeutin Johanna von Lobenstein und Dr. Peter Neudeck, bekannt durch seine Standardwerke für die Psychotherapeutenausbildung, unterstützt. Die technische Entwicklung der App liegt in Händen von Leon Hillebrandt. Unser Team harmoniert wirklich sehr gut.
Natürlich gibt es hin und wieder Meinungsverschiedenheiten, da wir uns dem Thema aus unterschiedlichen Fachrichtungen nähern, aber am Ende kommen wir immer wieder zusammen. Uns allen ist bewusst, dass wir ein gemeinsames Ziel verfolgen und die Gründung von Elona Health enorm viel Hingabe erfordert. Ich denke, das ist die Basis für ein funktionierendes Team.

Sind Sie damit auch für die Herausforderungen durch das stark regulierte Gesundheitssystem gewappnet?
Schückes:
Na ja, es ist schon so, dass man als Gründerin oder Gründer erst einmal davon erschlagen wird, aber Schritt für Schritt ist es uns dann doch gelungen, uns in die Materie einzuarbeiten. Als Medizinprodukt unterliegt unsere App der EU-weiten Medical Device Directive. Die allein ist schon eine ziemliche Herausforderung. Um in die Versorgung als digitale Gesundheitsanwendung zugelassen zu werden, reicht die Einstufung als Medizinprodukt aber nicht aus. Man muss darüber hinaus als digitale Gesundheitsanwendung in das DiGA-Verzeichnis beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aufgenommen werden. Das spielt für uns eine wichtige Rolle, weil unser Geschäftsmodell darauf basiert, dass die App von den Therapeutinnen und Therapeuten verordnet wird und die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Was sehr gut funktioniert hat: Wir haben punktuell Beraterinnen und Berater mit der entsprechenden Expertise an Bord geholt, die etwas Licht ins Dunkel gebracht und uns dabei geholfen haben, die richtigen Standards auf den Weg zu bringen.

Anderes Thema: Die Finanzierung. Wie sieht es damit aus?
Schückes:
Gut. Wir wurden sowohl über Bundes- als auch Landesmittel gefördert. Außerdem wurden wir durch das digihub in Düsseldorf im Rahmen des „Ignition“-Acceleratorprogramms unterstützt. Auch die Anschlussfinanzierung steht schon.

Das scheint alles sehr gut zu laufen. Gab es denn auch Hürden auf Ihrem bisherigen Gründungsweg?
Schückes:
Wie gesagt, das Regelwerk im Gesundheitsbereich ist sehr komplex. Hinzu kommen die ganzen technischen Aspekte bei der Entwicklung der App. Manchmal geraten wir unter Zeitdruck und fragen uns, warum wir bestimmte Dinge nicht schon früher eingeplant haben. Aber dann realisiert man, dass das einfach zum Gründen dazugehört. Ich denke, die Erkenntnis ist, dass nicht alles auf Anhieb glattläuft, aber man lernt einfach enorm viel dabei – vor allem, wie man am besten Hürden nimmt.

Wo steht Elona Health aktuell und wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?
Schückes:
Wir haben die GmbH im April 2021 gegründet. Die App ist fertig entwickelt. Wir sind gerade in der Pilotphase und lassen sie von den Anwenderinnen und Anwendern testen. Insgesamt wachsen wir sehr stark. Mittlerweile beschäftigen wir fast 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und von Seiten der Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen ist der Zuspruch extrem hoch. Unser Ziel ist es, in den nächsten Monaten einen Antrag auf Aufnahme in das DiGA-Verzeichnis zu stellen. Wir wollen ganz klar in die Regelversorgung und leiten gerade die entsprechenden regulatorischen Schritte ein. Mit der App ist es für uns aber nicht getan. Wir möchten die Psychotherapie von morgen mitgestalten und da haben wir noch viele Ideen, um die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland und auch in Europa zu verbessern.

Stand: November 2021

Unsere Website verwendet Cookies und die Analytics Software Matomo. Mehr Information OK