Die sechs Exzellenz Start-up Center im Überblick

Jede Universität hat aus ihrer konkreten Situation heraus ein eigenes Konzept entwickelt, wie sie zukünftig die Anzahl von Gründungen und Start-ups steigern will. Die Projekte sind umfangreich und vielschichtig. Einige Hightlights der Konzepte stellen wir hier vor:

Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Die RWTH Aachen ist am 1. Juli 2019 in die Projektphase gestartet. Mit ihrem Konzept unternehmerisches Denken und Handeln zum zentralen Bestandteil der RWTH Kultur zu etablieren, beabsichtigt die Hochschule Gründer-Teams eine zielgerichtete Unterstützung zu ermöglichen. Zu diesem Zweck hat die RWTH Aachen 23 Millionen Euro Fördersumme zur Umsetzung ihrer Ziele vom Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie (MWIDE) des Landes Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt bekommen. Für die Projektphase ist eine Laufzeit von bis zu fünf Jahren vorgesehen.

Zu dem Konzept gehört der für Europa einzigartige Aufbau eines Inkubators in Aachen, einem lebendigen und hochmodernen Hotspot, auf dem alle Gründungsangebote zentral organisiert sind. Dazu gehört die Professionalisierung der Gründungsberatung, die Erweiterung der individuellen Unterstützung für Gründer sowie die Vernetzung mit externen Unterstützern aus der Wirtschaft, wie z. B. Business Angels, Wagniskapital-Fonds, Start-ups, Unternehmen, Akzeleratoren, sowie Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Technologiezentren. Diese einzigartige Anlaufstelle soll europaweit zum größten Inkubator für Entrepreneurship werden und gleichzeitig dazu dienen, Gründer-Teams aus ganz Deutschland miteinander zu vernetzen.

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Mit ihrem Konzept will die WWU Münster Lehre und Ausbildung zum Ausgangspunkt für erfolgreiche Gründungen machen. Um eine breite wissenschaftliche Basis für das Thema Entrepreneurship in Forschung und Lehre zu schaffen plant die Universität, ein Entrepreneurship-Professoren-Cluster einzurichten. Dieses soll eine Entrepreneurship-Professur, vier Entrepreneurship-Juniorprofessuren und die Einrichtung eines EUREGIO „Chair of Entrepreneurship“, der es bereits erfahrenen Gründern ermöglicht, einen Lehrauftrag auszuführen, einrichten.

Die Universität plant zudem eine umfassende Erweiterung ihres Lehrauftrages, wie beispielsweise den Minor-Abschluss im Rahmen eines BWL-Masters. Dementsprechend bietet dieses Format den Studierenden die Möglichkeit, sich innerhalb des Masters auf das Themenfeld Entrepreneurship zu spezialisieren.

Geplant ist zudem ein Zertifikatsstudiengang, der den Studierenden Kompetenzen in Bezug auf Gestaltung von Geschäftsmodellen, den Aufbau eines Teams, die Akquisition von Kunden, die Schaffung der richtigen Unternehmenskultur und die Analyse von Finanzierungsoptionen vermitteln soll.

Um Studierende, Gründungsinteressierte und Unternehmer miteinander zu vernetzten plant die Universität die Installation eines Start-up Centers indem Büros für Start-ups, ein Design-Lab, Konferenzräume, Co-Working Space und Seminarräume beherbergt. Gleichzeitig soll hier Kooperationspartnern wie Digital Hub münsterLAND falls in dem Gebäude ansiedeln können. Alle Maßnahmen verfolgen das Ziel, ein nachhaltiges Start-up Ökosystem „EUREGIO“ zu etablieren.

Die Technische Universität Dortmund

Mit ihrem Konzept will die TU Dortmund das Thema Gründungskultur als elementaren Bestandteil des Campus‘ etablieren, um eine höhere Gründungsquote zu erzielen und zukunftssichere Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Dazu plant die TU Dortmund verschiedene Maßnahmen, wie die Anmietung eines zentralorganisierten ESC Gebäudes auf dem Wissenschafts- und Technologiecampus, das zukünftigen Gründern als Anlauf- und Verteilerstelle dienen soll.

Im ESC Gebäude sollen ganzjährig und rund um die Uhr geöffnete Coworking-Büros für etwa 30 Gründer-Teams entstehen, hier können die Gründer gemeinsam an ihren Ideen arbeiten und sich transdisziplinär zu ihren Vorhaben austauschen. Geplant sind zudem ein Methodenraum mit aktueller Entrepreneurship-Literatur, themenspezifischen Zeitschriften, Materialen und interaktiven Spielen zum Thema Gründung sowie ein Makerspace zur Prototypenentwicklung und ein Dataspace zur sicheren Entwicklung von Pilotlösungen.

Um die Sensibilisierung und die entsprechende Qualifizierung der Studierenden und wissenschaftlichen Mitarbeiter für Unternehmertum innerhalb der Universität zu gewährleisten sollen im ESC Gebäude zwei Seminarräume entstehen, in denen mindestens acht Lehrveranstaltungen in Kooperation mit dem Entrepreneurship-Lehrstuhl der TU Dortmund durchgeführt werden.

 

Die Ruhr-Universität Bochum

Ziel der Ruhr-Universität Bochum ist es, bis 2024 auf dem Campus ein deutlich wahrnehmbares Gründungsangebot zu schaffen. Die Fördermittel werden dazu genutzt die Einrichtung eines WORLDFACTORY Start-up Centers (WSC) als Innovations- und Gründungsleuchtturm zu realisieren. Hier werden wichtige Infrastrukturen für Transfer und Gründung entwickelt, die dezentrale Potenziale mobilisieren und neue Zielgruppen innerhalb und außerhalb der Hochschule erreichen sollen.

Das ehemalige Opel-Verwaltungsgebäude soll zum zentralen Ort für Kreativität und interdisziplinären Austausch werden. Hier soll der größte Makerspace Deutschlands entstehen mit dem die RUB ein wichtiges Zukunftssignal für den Wirtschaftsstandort NRW und den erfolgreichen Strukturwandel im Ruhrgebiet setzen wird. Der Makerspace wird mit 2.000 qm der größte in Deutschland sein und damit national und international ein attraktives Angebot für die Gründer-Community schaffen.

Denn im neuem Makerspace werden Werkstätten eingerichtet, die in ihrer Ausstattung einem realen Produktionsbetrieb entsprechen. Hier soll den Gründern die Möglichkeit gegeben werden, an ihren Prototypen zu arbeiten und sich fächerübergreifend auszutauschen. Insgesamt sollen fünf neue hochmoderne Werkstätten entstehen, darunter eine Holz-, eine Metallbau- sowie eine Elektrotechnikwerkstatt. Zur vollumfänglichen Ausstattung zählen auch Bereiche zur Textilbearbeitung, zur Erstellung von Printprodukten, 3D-Drucker, Lasercutter sowie VR- und AR-Experimentierfelder.

Universität Paderborn

Die Universität Paderborn beabsichtigt durch die Förderung der Initiative „Exzellenz Start-up Center NRW“ zu einem Leuchtturm von Gründungsvorhaben der Industrie 4.0 zu werden, um verstärkt B2B-Gründungen des „Internets der Dinge“, der adaptiven Fertigung und der industriellen Transformation in enger Kooperation mit der transferorientierten Wissenschaft und der technologieorientierten Wirtschaft zu ermöglichen.

Zur Erreichung dieser Ziele plant die Universität Paderborn die Etablierung einer systematischen Kommunikation und Implementierung der IP- und Transferstrategie in allen Fakultäten, der Forschungseinrichtungen und der Verwaltung. Das Leitbild der Universität Paderborn soll sich nachhaltig verändern, indem die Transfer- und Gründungsförderung stärker darin verankert werden sollen.

Dazu wird die Universität Paderborn an fünf Fakultäten sowie an transferstarken und interdisziplinären Instituten je einen Gründungsbotschafter benennen, der für das Thema Gründungen aus der Wissenschaft sensibilisieren sollen. Ein besonderer Fokus der Maßnahmen liegt auf dem Thema Gründungen von Frauen, um diese stärker zu adressieren und verstärkt Erfolgsgeschichten von weiblichen Gründern in den Vordergrund der Kommunikationsmaßnahmen zu stellen. Darüber hinaus soll der Anteil von weiblichen Gründungs-Coaches angehoben werden. In diesem Sinne soll Gründerinnen und Gründern mit Kindern ein prioritärer Zugang zur Kinderbetreuung an der Hochschule geschaffen, denn die Universität Paderborn ist seit 2014 Mitglied des Best Practice Clubs „Familie in der Hochschule“.

Die aktuellen Unterstützungsleistungen Incubation und Coaching werden um die Aktivitäten Prototyping, Geschäftsmodellentwicklung und eine Pree-Seed-Beteiligungsgesellschaft erweitert. Zudem wird durch den Aufbau und Betrieb eines umfangreichen Markerspace der Zugang zu Prototyping Kapazitäten für High-Tech Gründungen geschaffen.

Universität zu Köln

Die Universität zu Köln will mit der Förderung die Anzahl der Gründungen um den Faktor 5 bis 10 erhöhen und gleichzeitig die fachliche Heterogenität an Gründungsprojekten aus der Universität steigern. Fakultätsübergreifend soll bei Studierenden und Wissenschaftlern eine Kultur des Unternehmertums etabliert werden, um Prozesse und Strukturen, die einen professionellen Wissens- und Technologietransfer benötigen, zu unterstützen.

Um eine größere Reichweite zu generieren und um die Studierenden für das Thema Gründung zu sensibilisieren werden die grundständigen Lehrangebote weiter ausgebaut. Dafür plant die UzK den Aufbau und die Verankerung neuer Professuren an fünf ihrer sechs Fakultäten. Durch eine Spendenzusage wird der Bau eines neuen Innovations- und Gründungszentrums gewährleistet, für dessen Ausstattung die Initiative „Exzellenz Start up Center“ aufkommen wird. Das Gebäude bietet nach seiner Fertigstellung auf mehr als 1000 qm Co-Working-Plätze für Start-up-Projekten von Wissenschaftlerinnen und Studierenden. Es soll ein Space für die „Low-Tec“-Prototypenentwicklung mit 3D-Druckern, Raspberry-Pis und Arduinos sowie mit mobilen Endgeräten ausgestattet werden. Hier sollen zudem Firmencenter, Büros von Partnern aus dem regionalen Gründungsnetzwerk und den Digital Hub Cologne entstehen.

Um die Gründer für ihre Vorhaben zu qualifizieren werden 10 neue Professuren in den verschiedenen Fakultäten eingerichtet, die sich auf Data Sciences, Künstliche Intelligenz, Blockchain, Entrepreneurship und Strategie verteilen. Im Kontext von Sensibilisierungsmaßnahmen wird es verschiedene Veranstaltungen mit dem Fokus auf Gründung geben, geplant sind hier zunächst ein Gründungsideenwettbewerb, eine Student Founders Week und öffentlichkeitswirksame Formate wie z. B. eine FuckUp Night.