Universität Siegen

Projekt „EnableUS“

Das Thema Entrepreneurship hat an der Universität Siegen schon seit vielen Jahren seinen festen Platz. Dabei hat sich das Gründungsgeschehen bislang auf die beiden Fakultäten für Natur- und Wirtschaftswissenschaften konzentriert. Mit Unterstützung der Initiative Exzellenz Start-up Center NRW wird die Universität Siegen nun in ihrer Gesamtheit als Gründungshotspot gestärkt.

1972 als eine von fünf Gesamthochschulen in Nordrhein-Westfalen gegründet, wurde die Universität-Gesamthochschule Siegen 2003 zur Universität Siegen ernannt. Inzwischen gehört sie mit über 18.700 Studierenden zu den großen im Land NRW. Seit über zehn Jahren unterstützt die Hochschule gründungsinteressierte Studierende, Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler oder Alumni dabei, ihre Ideen zur Marktreife zu entwickeln. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Entrepreneurship Center, das seinerzeit mit der Bundesförderung EXIST III aufgebaut wurde. Darüber hinaus ist das Thema Entrepreneurship ein fester Bestandteil von Lehre und Forschung.

Campus Unteres Schloss der Universität Siegen
© Universität Siegen

Die tatkräftige Unterstützung des Gründungsgeistes hat inzwischen dazu geführt, dass die Hochschule zu einem der wichtigsten Player im Gründungsökosystem Startpunkt 57 e.V. des Siegerlandes gehört. Die Region gehört mit ihren über 160 mittelständischen Weltmarktführern zu einer der erfolgreichsten Industrieregionen Nordrhein-Westfalens.

Das Gründungspotential ist an der innovativen Hochschule noch lange nicht ausgeschöpft, heißt es bei den Gründungsakteurinnen und -akteuren der Hochschule. An allen Fakultäten wird mittels Lehrveranstaltungen, Workshops und Events der Gründungs-Spirit für Angehörige der Universität erlebbar gemacht.

Bereits 2019 hat die Universität Siegen das Projekt VentUS initiiert. Es wird aus Mitteln des Programms EXIST-Potentiale des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz finanziert und konzentriert sich auf Ausgründungen aus der naturwissenschaftlichen Fakultät sowie der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

Ziel des Einzelvorhabens enableUS ist es nun, Anzahl und Qualität der Ausgründungen aus der Universität heraus zu erhöhen.

Die beiden Projekte sind für Studierende sowie Mitarbeitende im Entrepreneurship Center der Universität zusammengefasst - so wird für jeden Bedarf die passende Lösung geboten und eine enge Vernetzung zu universitären Akteuren wie dem Fab Lab, den Fakultäten und studentischem Leben sichergestellt.

EnableUS erschließt weiteres Gründungspotential

Das Projekt enableUS ist im Juli 2021 ins Leben gerufen worden. Realisiert wird es mit Unterstützung der Initiative Exzellenz Start-up Center.NRW, die dafür 2,18 Millionen Euro bereitstellt. Damit werden weitere Potentiale sinnvoll aktiviert. Die Themenpalette ist breit gefächert: Dezidierte Begleitung von Social Entrepreneurship gehört genauso dazu wie Unternehmensnachfolge durch das Handwerks- & Mittelstands-Tandem oder auch die Betreuung von innovativen Fast Movern. Es handelt sich also um ganz unterschiedliche Zielgruppen, Branchen und Gründungsanforderungen.

„Start-ups aus Hochschulen sind von herausragender Bedeutung für die Entstehung regionaler Start-up-Ökosysteme und deren internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Deshalb müssen wir die Rolle von Hochschulen in Start-up-Ökosystemen stärken. Die Universität Siegen liegt im Herzen einer mittelständisch geprägten Region. Es ist mir ein besonderes Anliegen, die Innovationsfähigkeit dieser Region über Gründungen aus der Universität zu stärken. Ich freue mich über die speziellen Unterstützungsangebote für soziale Gründungen und über die neuen Ansätze zur Qualifizierung von Studierenden für eine spätere Übernahme von Unternehmen.“

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, ehemaliger Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

In Fakultäten für Gründungsgeist sensibilisieren

Weitere potenzielle Gründerinnen und Gründer werden die Siegener vor allem in zwei Fakultäten identifizieren, die durch die EXIST-Förderung nicht abgedeckt werden. Projektleiter Prof. Dr. Giuseppe Strina erklärt, in welchen Fakultäten man mit Hilfe der Initiative „Exzellenz Start-up Center.NRW“ den Gründungsgeist wecken wird: „Wir sehen zum einen in der Philosophischen Fakultät, insbesondere im Bereich der Medienwissenschaften in Verbindung mit dem Megatrend Digitalisierung durchaus Gründungspotenzial. Deren Alumni sind sehr gründungsaffin, so dass hier eine Personalstelle eingerichtet wird, um die Gründungslehre aufzubauen. Zum anderen liegt unser Fokus auf der Fakultät für Bildung, Architektur und Künste. Dort werden wir eine zusätzliche Professur einrichten, die im Spannungsfeld von Sozialraum- und Stadtentwicklung einerseits sowie unternehmerischen Aktivitäten andererseits angesiedelt sein wird. Ihre Aufgabe wird es unter anderen sein, die Gründungslehre für die Fakultät zu konzipieren und Aufgaben in der Sensibilisierung und Gründungsunterstützung zu übernehmen. In der Architektur gibt es bislang zum Beispiel überhaupt keine Angebote, um Studierenden die unternehmerische Selbständigkeit näher zu bringen. Ähnlich sieht es im Bereich Soziale Arbeit aus, der in derselben Fakultät angesiedelt ist. Die Studierenden finden also dort aktuell in der Lehre überhaupt keine Angebote, um zu erfahren, wie sie ihr eigenes Unternehmen gründen können. Unsere Grundidee ist daher, sie in der Lehre abzuholen und ihnen die Gründung als Karriereweg vorzustellen.“

Dabei wollen die Siegener das Rad nicht neu erfinden, vielmehr soll der intensive Austausch mit den eigenen, bereits etablierten Entrepreneurship-Professuren helfen, diese Potenziale zu heben. Immerhin hat die Fakultät für Wirtschaftswissenschaften bereits seit vielen Jahren eine international anerkannte Profillinie in der Mittelstandsforschung aufgebaut. Darüber hinaus wird selbstverständlich auch der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Hochschulen in Nordrhein-Westfalen dafür sorgen, auf Erfahrungen aufzubauen und diese weiterzuentwickeln.

Mittlerweile existieren an allen Fakultäten Lehrangebote für Studierende, die sich mit den vielfältigen Formen von Gründung beschäftigen.

 

Lehrveranstaltung Entrepreneurship Center | Hörsaalzentrum Unteres Schloss
© Entrepreneurship Center der Universität Siegen

Sprint-Programm: Ideation, Prototyping, Usability

Der Name ist Programm: In nur sechs Monaten sollen die Gründerinnen und Gründer beim Sprint-Programm ihre Idee zu einem markreifen Produkt entwickeln. Im Fokus stehen Ideen in den Bereichen Künstliche Intelligenz und Internet of Things. Ort des Geschehens ist die Kreativwerkstatt Fab Lab der Universität Siegen. Gründerinnen und Gründer können dort ihre Ideen mit Hilfe von Kreativitätstechniken ausarbeiten, einen Prototyp erstellen und vor Branchenkennern, potenziellen Auftraggeberinnen und -gebern oder potenziellen Investoren präsentieren. „Unterstützt werden sie dabei von branchenspezifische Markt-Scouts. Sie stehen den Teams während des gesamten Programms zur Seite, stellen Marktanalysen, Branchendaten und Trendanalysen zur Verfügung und helfen dabei, den zukünftigen Markt kennenzulernen“, so Dr. Jens Jacobs, Leiter der zentralen Transferstelle Connect.US und stellvertretender Leiter des Projektes EnableUS. Erfolgreich hat man bereits Workshops zum Design Thinking & Prototyping mit Studierenden und Mitarbeitenden der Universität durchgeführt.

Prototypen-Erstellung 3D Printer | Fab Lab Siegen
© Entrepreneurship Center der Universität Siegen

Fast Track Entrepreneurship

Noch schneller als beim Sprint-Programm gelingt Gründerinnen und Gründern mit Hilfe von Fast Track Entrepreneurship der Markteintritt. Dr. Jens Jacobs nennt die Gründe dafür: „Wenn die Märkte, beispielsweise im Bereich IT und Künstliche Intelligenz, sehr dynamisch sind und sich die Bedingungen schnell ändern, müssen die Teams, die in diesen Bereichen gründen wollen, möglichst schnell die ersten Pflöcke einschlagen und ihr Start-up auf schnelles Wachstum ausrichten. Tempo ist aber auch bei disruptiven forschungsbasierten Technologien angesagt, die das Potenzial haben, ganze Märkte zu verändern. Das ist zum Beispiel beim Quanten-Computing der Fall. Wer hier aus der Wissenschaft heraus ein Unternehmen gründen möchte, muss schnell sein und ist auf hohe Finanzierungssummen angewiesen, um seine hoch-innovativen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Marktreife zu entwickeln und als Fast Mover international Wettbewerbsvorteile sichern.“

Fast Track Entrepreneurship ermöglicht diese Gründungen daher möglichst schnell und reibungslos, sorgt für eine ausreichende Finanzierung, begleitet die Geschäftsmodellentwicklung und ist beim Aufbau des Gründungsteams behilflich. Ideen- und Prototypenentwicklung setzen früh an, um so schnell wie möglich das so wichtige Marktfeedback einzuholen. Sind die Start-ups gegründet, findet die weitere Betreuung der Teams über die teilweise schon bestehenden Unterstützungsangebote der Universität Siegen statt.

 

Coaching für soziale Unternehmen und Social Entrepreneurship

Darüber hinaus stehen zwei weitere Zielgruppen im Visier der Siegener Gründungsakteurinnen und -akteure. Dabei handelt es sich um Gründerinnen und Gründer in den Bereichen soziale Unternehmen sowie Social Entrepreneurship. Während soziale Unternehmen im Bereich Sozialarbeit, Pflege und Betreuung „unterwegs“ sind, wollen Gründerinnen und Gründer im Social Entrepreneurship soziale und/oder ökologische Ziele mit unternehmerischen Mitteln erreichen. Die unternehmerische Rendite steht dabei in der Regel nicht im Vordergrund, dafür umso mehr die Gemeinwohlorientierung. Coaches, die mit den branchen- sowie geschäftsmodellspezifischen Besonderheiten vertraut sind, setzen die zukünftigen Start-ups auf ein sicheres Fundament.

Gruppen-Coaching mit Start-ups | Fab Lab Siegen
© Entrepreneurship Center der Universität Siegen

Handwerks- & Mittelstands-Tandem: Unternehmensnachfolge und Intrapreneurship

Ein ganz anderes Feld wird mit dem Handwerks- & Mittelstands-Tandem erschlossen: Unternehmensnachfolge und Intrapreneurship. „Gerade das Handwerk steht vor vielen Herausforderungen, sei es bei der Digitalisierung oder der Unternehmensnachfolge. Unsere Idee ist daher, den Betrieben – ganz gleich, ob Tischlerei, Sanitär- oder Malerbetrieb – durch Lehrformate, bei denen Studierende im Rahmen von Mikroprojekten in den Betrieben Digitalisierungsthemen bearbeiten, zu einem innovativen Schub zu verhelfen. Dabei wollen wir u.a. auch Studierende identifizieren, die eventuell für eine Unternehmensnachfolge geeignet sind. Darüber hinaus wollen wir die Welt der traditionellen, zum Teil über viele Jahrzehnte erfolgreichen Kleinbetriebe mit der Welt der jungen, oftmals innovativen Start-ups näher zusammenbringen. Wir glauben, dass dort ein gegenseitiges Lern- und Befruchtungspotential schlummert.“ Spiritus rector ist dabei Professor Giuseppe Strina vom Chair of Service Development in SMEs and Crafts. Er ist einer der wenigen Professoren in Deutschland, die explizit auch mit Handwerkerinnen und Handwerkern zusammenarbeiten.

An der Universität Siegen ist man gespannt, ob das Handwerk das Angebot annehmen wird. Wie auch immer das Ergebnis aussehen wird: Es ist genau diese Experimentierfreude, die dazu beigetragen hat, dass sich die Universität Siegen in den vergangenen Jahren zu einer der erfolgreichsten Gründungs-Hochschulen in Nordrhein-Westfalen entwickeln konnte.

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