„Mit Hilfe der Workshops und Betreuung durch das Gateway Exzellenz Startup Center der Universität zu Köln konnten wir unsere Geschäftsprozesse strukturieren.“

Nils Lohmann und Alexander Haufschild, das Gründungsteam der socialbnb GmbH
© socialbnb GmbH

Verreisen und dabei Gutes tun. Die Ausgründung socialbnb der Universität zu Köln bringt Reisende mit sozialen und ökologischen Projekten auf der ganzen Welt in Kontakt. Mit Unterstützung des Gateway Exzellenz Start-up Center ist aus der einstmals studentischen Initiative ein vielversprechendes Social Start-up mit zehn Mitarbeitenden geworden. Die beiden Gründer Alexander Haufschild und Nils Lohmann wollen damit auch zeigen, dass sich unternehmerischer Erfolg und soziales Engagement nicht ausschließen.

Herr Haufschild, was unterscheidet socialbnb von anderen Hotel- oder Reiseportalen?
Haufschild:
Das Besondere ist, dass Reisende auf unserer Plattform eine Unterkunft bei Sozial- oder Umweltschutzprojekten buchen können. Das sind zum Beispiel Bildungs- und Gesundheitsprojekte für Kinder und Erwachsene oder auch Projekte von Umwelt-, Tierschutz- und Menschenrechtsinitiativen. Vor Ort kommen die Reisenden dann mit engagierten Leuten in Kontakt und erfahren mehr über das Projekt. Es ist ein besonderes Reiseerlebnis. Besonders ist auch, dass das Geld, das für die Übernachtung bezahlt wird, diesen Projekten zugutekommt.

Herzstück von socialbnb ist eine Online-Plattform.
Haufschild:
Ja, dabei haben sich Nils Lohmann und ich vor allem auf die Gestaltung und Inhalte der Website konzentriert. Wir haben beide keinen IT-Hintergrund. Nils kommt aus dem Bereich International Management und ist vor allem für das Business Development und den Aufbau neuer Projektpartnerschaften zuständig. Ich habe Geografie und Medienwissenschaften studiert und mich dabei auf die Kommunikation innerhalb der Entwicklungszusammenarbeit konzentriert. Bei socialbnb bin ich vor allem für das Marketing zuständig.

Für den technischen Part greifen wir auf einen externen Dienstleister zurück, der bereits viel Erfahrung mit dem Aufbau von Online-Plattformen hat. Dabei haben wir fast alle Nutzerkommentare, die wir während der Pilotphase gesammelt haben, bei der Weiterentwicklung der Plattform berücksichtigt. Das ist übrigens etwas, um das wir uns schon viel früher hätten kümmern müssen: Kontakt zu potenziellen Kundinnen und Kunden – also den Reisenden – aufnehmen und Befragungen durchführen.

Bei Ihren Gründungsvorbereitungen wurden Sie vom Gateway Exzellenz Start-up Center der Uni Köln unterstützt. Wie sah diese Betreuung aus?
Haufschild:
socialbnb ist aus der Studierenden-Initiative Enactus an der Universität zu Köln entstanden. Wir haben die Idee dann weiterentwickelt und wurden dabei von Beginn an vom Gateway unterstützt. Wir konnten die Räumlichkeiten nutzen, haben an Workshops teilgenommen und kamen in Kontakt mit dem weit verzweigten Netzwerk. Im Sommer 2019 haben wir dann den Entschluss gefasst, tatsächlich ein Start-up zu gründen, und sind in die Gründungsphase eingestiegen.

Dann ging es richtig los?
Haufschild:
Ja, damit sind wir sehr viel intensiver mit dem Gateway in Kontakt gekommen. Im Mittelpunkt stand dabei unsere Teilnahme an dem sechsmonatigen damaligen Future Champions Accelerator Anfang 2020. Das war wirklich eine gute Sache, weil wir uns zum Beispiel mit vielen anderen Gründerinnen und Gründern austauschen und gemeinsam an Lösungen arbeiten konnten. Vor allem aber gab es ein umfangreiches Workshopangebot zu Themen wie Teambuilding, interne Arbeitsstrukturen, Marketing oder auch Finanzierung. Corona-bedingt fand das Ganze zwar komplett digital statt, aber es hat trotzdem gut geklappt.

Wovon haben Sie bei der Teilnahme an dem Accelerator besonders profitiert?
Haufschild:
Die Workshops und die Betreuung durch die Expertinnen und Experten haben uns vor allem dabei geholfen, unsere Geschäftsprozesse zu strukturieren. Das betraf in erster Linie die Frage der Akquise geeigneter Projekte. Wir haben Kriterien aufgestellt, die die Projekte erfüllen müssen, und überlegt, wie wir genau diese Projekte in großer Zahl und mit möglichst wenig Aufwand akquirieren können. Das heißt, wir haben kalkuliert, wie viele Mails wir täglich zum Beispiel an NGOs, internationale Verbände und Universitäten vor Ort versenden und wie viele Gespräche wir führen müssen, um genug Projekte für ein attraktives Angebot zusammenstellen zu können.

Haben Sie auch Unterstützung beim Aufbau der Online-Plattform erhalten?
Haufschild:
Das war ein weiteres großes Thema. Wobei wir nicht nur bei der Konzeptionierung viel Unterstützung erhalten haben, sondern auch bei allen rechtlichen Fragen, die bei einem digitalen Geschäftsmodell und dem Launch einer Plattform wichtig sind. Juristischen und steuerlichen Beistand haben wir dann auch bei der Gründung unserer GmbH erhalten, sodass wir unsere Gründung sicher und sauber über die Bühne bringen konnten.

Wie sieht es mit der Finanzierung aus? Haben Sie Förderprogramme in Anspruch genommen?
Haufschild:
Ja, wir erhalten das EXIST-Gründerstipendium. Das läuft sehr gut und ist ein riesiger Mehrwert für uns, weil wir uns dadurch auf die Weiterentwicklung unseres Produkts konzentrieren können und finanziell abgesichert sind. Bei der Antragstellung von EXIST-Gründerstipendium wurden wir ebenfalls vom Team des Gateway intensiv betreut.

Sie haben das Projekt 2018 gestartet und im Juli 2021 socialbnb gegründet. Wie haben sich die Dinge seither entwickelt?
Haufschild:
Wir haben aus einer Studenteninitiative eine eigenständige GmbH mit zehn Teammitgliedern aufgebaut. Auf unserer Plattform sind aktuell 180 Projekte aus 45 Ländern vertreten. Die Buchungen werden automatisiert abgewickelt. Insofern können wir also sehr zufrieden sein. Der nächste große Schritt ist, für mehr Bekanntheit zu sorgen und Reisende für diese neue Form des Tourismus zu begeistern.

Letztendlich möchten wir aber auch zeigen, dass ein Sozial-Unternehmen durchaus profitorientiert arbeiten und sich nachhaltig finanzieren kann. Wir hoffen daher, dass wir ab 2024 den Break-even erreichen. Aber nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Unser Hauptantrieb ist und bleibt die Unterstützung der Projekte vor Ort. Das heißt, wir setzen sehr stark auf das Tracking unseres Impacts und beobachten genau, wie sich unser Angebot vor Ort auswirkt. Aber für uns gehört eben auch dazu, uns selbst mit unserem Unternehmen auf Dauer zu finanzieren. Deshalb ist es uns ein Anliegen, betriebswirtschaftlich stabil aufgestellt zu sein, um unseren Service langfristig anbieten zu können. Wir sind kein Start-up, das auf einen Exit hinarbeitet und dabei maximalen Profit erzielen möchte. Ein steigender Umsatz ist bei uns eher Mittel zum Zweck, um unser Ziel zu erreichen.

Nutzen Reisende denn schon Ihre Plattform?
Haufschild:
Aufgrund der Corona-Pandemie war und ist es natürlich schwierig. Wir hatten aber in der Zeit davor, in der dreijährigen Pilotphase, um die 800 Buchungen. Insofern sind wir optimistisch und tatsächlich läuft es wieder langsam an.

Aus welchen Ländern kommen Ihre Kundinnen und Kunden?
Haufschild:
Wir denken socialbnb als globale Plattform und wollen daher aktiv auch lokalen Tourismus in den jeweiligen Ländern fördern. Aktuell konzentrieren wir uns auf den DACHRaum. 2022 wollen wir unser Angebot dann auch für Reisende in Großbritannien, Skandinavien oder auch den Beneluxstaaten öffnen. Und 2023 kommt dann das außereuropäische Ausland dazu. Außerdem wollen wir alternative Vertriebswege testen und eventuell mit Touristikunternehmen, Reiseveranstaltern, Reisebüros, auch mit kleinen lokalen Reiseveranstaltern vor Ort, zusammenarbeiten. Wir stellen uns vor, dass die von uns angebotenen Projekte in das Reiseangebot Dritter integriert werden, um die Tourismusindustrie damit ein Stück weit sozialer und sinnhafter zu gestalten.

Es heißt, Corona hätte in einigen Branchen für neue Impulse gesorgt. Gilt das auch für die Tourismusbranche?
Haufschild:
Das merken wir dort definitiv auch. Diese lange Pause hat in der Tourismusbranche etwas ausgelöst. Selbst große Touristikunternehmen halten nach neuen Trends Ausschau und fragen sich, wie sie sich für die Zukunft wappnen können. Da ist das Thema Nachhaltigkeit oder auch sinnorientiertes Reisen definitiv vorne mit dabei. Es gibt ja viele Start-ups, die im nachhaltigen Tourismus aktiv sind und mit neuen Konzepten und Ideen um die Ecke kommen. Von daher besteht auf jeden Fall die Chance, die Tourismusindustrie etwas zukunftsfähiger zu gestalten.

Welchen Tipp würden Sie anderen Gründerinnen und Gründern geben?
Hauschild:
Man sollte als Gründerin oder Gründer immer wieder zurückblicken und anerkennen, was man schon alles erreicht hat. Wir stellen immer wieder fest, dass es wirklich verrückt ist, was wir schon alles auf die Beine gestellt haben. Dieses Bewusstsein dafür zu schaffen, ist einfach wichtig, um motiviert zu bleiben für alles, was da noch kommt.

Stand: November 2021