„Mir hat die Idee gefallen, eine Mentorin zu haben, die mich ermutigt, die aber auch die Probleme einer Gründung kennt.“

Sandra Stoppert
© Sina Franzen - Bildsprache

Ein Angebot ausschließlich für Gründerinnen. Als Sandra Stoppert das erste Mal von Women Entrepreneurs in Science (WES) hörte, gefiel ihr die Idee auf Anhieb. Dabei ist die Tänzerin und Grundschulpädagogin als Inhaberin der Tanzschule Remscheid bereits eine erfahrene Unternehmerin. Aber ausgerechnet während des Lockdowns kam ihr die Idee für ein zweites Unternehmen. Die passende Unterstützung für ihre Gründungsvorbereitungen fand Sandra Stoppert beim Start-up Center der Bergischen Universität Wuppertal. Dort kam auch der Kontakt zu Women Entrepreneurs in Science zustande. Über ihre Teilnahme an dem WES-Mentorinnenprogramm sowie ihre Erfahrungen als Gründerin berichtet Sandra Stoppert in dem folgenden Interview.

Frau Stoppert, Sie bieten seit 2018 in Ihrer Tanzschule Kurse für Erwachsene, Jugendliche und Kinder an. Das Besondere ist aber, dass Sie darüber hinaus Tanzpatenschaften anbieten. Wen möchten Sie damit fördern?
Stoppert: Das sind Tanzpatenschaften für Kinder und Jugendliche aus finanziell prekären Verhältnissen. Die Patenschaften werden von Menschen finanziert, die daran interessiert sind, nachweislich bedürftige Kinder zu unterstützen. Das sind zum Beispiel Kinder, die von der Jugendfürsorge betreut werden und relativ wenig an Bildungsangeboten und Teilhabepaketen erhalten. Diesen Kindern biete ich in meinem Tanzraum Remscheid dank der Patenschaften Unterricht in HipHop, Break Dance oder Modern bei professionellen Tanzlehrerinnen und -lehrern an. Mit dabei sind aktuell auch viele Patenschaften für Kinder aus der Ukraine.

Das bedeutet, dieses Angebot hat zusammen mit der Tanzschule die pandemiebedingten Lockdowns überstanden?
Stoppert:
Ja, zum Teil konnte ich Online-Kurse anbieten. Das war alles nicht einfach, aber immerhin hat der Tanzraum Remscheid überlebt. Trotzdem gab es natürlich auch sehr viel Leerlauf.

Den Sie aber offensichtlich gut genutzt haben.
Stoppert:
Ja. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Und irgendwie entstand dann die Idee für ein weiteres Unternehmen. Ausgerechnet der Lockdown hat also quasi dafür gesorgt, dass ich genug Zeit hatte, mir Gedanken über ein neues Geschäftskonzept zu machen und meinen Businessplan zu schreiben. Unterstützt wurde ich dabei übrigens durch das Gründerstipendium NRW, so dass ich finanziell abgesichert war.

Um was ging es denn bei Ihrer Geschäftsidee?
Stoppert:
Der Hintergrund war, dass ich in meiner Tanzschule auch Kindergeburtstage ausgerichtet habe. Dabei war mir immer wieder aufgefallen, welche Unmengen an Müll dabei entstehen: Pappteller, Plastikbesteck, Girlanden, Luftballons usw. Gerade bei den Luftballons weiß man ja, dass in der Natur viele Tiere daran sterben.

Wenn man überlegt, wie viele Kinder täglich Geburtstag haben, wird einem ziemlich schnell klar, dass wir mit diesen ganzen Einwegprodukten ungefähr 90.000 Mülltonnen jeden Tag in Deutschland füllen würden – allein mit der Geburtstagsdekoration für Kinder unter 14 Jahren.

Und das wollten Sie ändern?
Stoppert:
Ich dachte, es muss doch auch umweltverträgliche Dekoartikel für Kindergeburtstage geben. Bei meinen Recherchen habe ich dann festgestellt, dass es tatsächlich eine Reihe umweltschonender Produkte gibt - allerdings bei vielen verschiedenen Anbietern. Man muss sich also mühsam alle Artikel zusammensuchen. Das brachte mich auf die Idee, Boxen mit nachhaltigen Dekoprodukten zusammenzustellen, die von Eltern oder Veranstaltern von Kindergeburtstagen online bestellt werden können.

Die Boxen widmen sich dabei immer einem bestimmten Thema, wie zum Beispiel Save-the-Bees, Save-the-Ocean oder Save-the-Jungle. Damit verbunden ist also immer auch ein kleiner Lerneffekt. Worauf ich gänzlich verzichte, sind Dekomaterialien für Mädchen-Prinzessinnen-Geburtstage oder Ähnliches. Dazu habe ich in meiner Laufbahn einfach zu oft mit Kindern zusammengearbeitet, die transgender sind oder hinsichtlich ihrer sexuellen Identität noch unsicher sind. Ich möchte mit meinem Angebot für Geschlechter-Diversität einstehen.

Sie haben Ihr zweites Unternehmen „Grünes Konfetti“ im November 2021 gegründet. Bei Ihren Gründungsvorbereitungen wurden Sie durch die Bergische Universität Wuppertal unterstützt. Wie kam es dazu?
Stoppert:
Ich studiere dort Grundschullehramt und die Atmosphäre an der Uni gefällt mir einfach sehr gut. Also habe ich mich an das dortige Start-up Center gewandt und war von Anfang an ziemlich begeistert. Das Beratungsteam war unheimlich wertschätzend und hat sich meinen Businessplan durchgelesen, mir bei der Beantragung des Gründerstipendium NRW geholfen, mich auf die ganzen Pitches vorbereitet und vieles mehr. Wir haben uns einfach auf Anhieb sehr gut verstanden.

Bei den Gründungsvorbereitungen für Ihre Tanzschule hatten Sie sich dort nicht beraten lassen?
Stoppert:
Nein, damals wusste ich noch nichts vom Start-up Center der Uni Wuppertal und habe mich daher woanders beraten lassen. Allerdings habe ich in dem Gründungsumfeld leider keine guten Erfahrungen gemacht. Ich habe mich in der männerdominierten Gründungsszene nicht wohlgefühlt habe und fand es schwierig, geeignete Ansprechpartnerinnen und -partner zu finden. Das war dann bei meiner zweiten Gründung an der Uni Wuppertal ganz anders. Und als ich dann auch noch von Women Entrepreneurs in Science gehört habe, war ich vollends begeistert.

Was hat Ihnen an Women Entrepreneurs in Science (WES) so gut gefallen?
Stoppert:
Ich fand ein Angebot, das sich ausschließlich an Gründerinnen richtet, einfach cool. Viele junge Fragen sind doch immer noch überrascht, wenn man ihnen sagt: Du kannst auch ein Unternehmen gründen. Du darfst so mutig sein. Mach‘ dein Ding, geh‘ raus und leg‘ los. Das wird häufig immer noch heruntergespielt. Deswegen finde ich es toll, dass ich auf die Mädels von Women Entrepreneurs in Science aufmerksam geworden bin.

Was für Erwartungen hatten Sie an Women Entrepreneurs in Science?
Stoppert:
In erster Linie war ich an den Kontakten interessiert. Ich habe ja mitten im Lockdown gegründet, war also ziemlich isoliert, so dass mir der Austausch mit anderen Gründerinnen und Gründern fehlte. Auf Facebook habe ich zwar Gleichgesinnte gefunden, aber die wohnten nicht in der Nähe. Das war immer ein Problem.

Sie haben dann auch an dem dreimonatigen WES-Mentorinnenprogramm teilgenommen.
Stoppert:
Ja, mir hat die Idee gefallen, eine Mentorin zu haben, die mich ein bisschen an die Hand nimmt, die mich ermutigt, die aber auch die Probleme einer Gründung kennt. Also habe ich mich mit meinem Konzept beworben. Als Mentorin wurde mir dann Romina Bayer zur Seite gestellt. Sie ist Fotografin und hat viel im Ausland gearbeitet. Dabei hat sie oft beobachtet, wie rücksichtslos viele Fotografinnen und Fotografen mit der Unterwasserwelt umgehen. Um das zu ändern, bietet sie Coachings zum Thema achtsame Unterwasserfotografie an. Dieses gemeinsame Interesse an Natur und Umwelt war dann auch ausschlaggebend dafür, dass wir im Rahmen des Mentoringprogramms gematcht wurden. Außerdem wusste sie von meinen schlechten Erfahrungen bei meinen Vorbereitungen auf meine erste Gründung und konnte sich darauf einstellen.

Inwiefern haben Sie die Gespräche mit Ihrer Mentorin vorwärtsgebracht?
Stoppert:
Unser erstes Gespräch fand in Köln, in einem kleinen Café statt, und nachdem ich ihr von meiner Idee erzählt hatte, war sie direkt on fire. Sie war sofort überzeugt von meiner Idee und wollte, dass ich für den Kindergeburtstag ihrer Cousine eine Box zusammenstelle. Ich hatte aber den Eindruck, dass ich noch gar nicht so weit war, aber sie meinte einfach: „Mach einfach! Worauf wartest du?“ Und so ging das eigentlich immer weiter: Sie hat mir immer den Rücken gestärkt, mich angetrieben und mich an Lieferanten und andere Leute vermittelt, die mir weiterhelfen konnten. Der Austausch mit ihr war einfach insgesamt sehr wertvoll.

Wie oft haben Sie sich getroffen?
Stoppert:
Getroffen haben wir uns bisher nur zwei Mal getroffen, weil wir einfach beide wahnsinnig eingespannt sind. Aber wir schreiben uns oft. Ich finde, der persönliche Kontakt vor Ort ist auch gar nicht so wichtig. Für mich ist entscheidend, dass da jemand ist, der mich fragt, wie es läuft und auch nachvollziehen kann, wenn es mir mal nicht so gut geht oder ich Zweifel an meiner Rolle als Unternehmerin habe. Ich beschäftige zum Beispiel gerade drei Aushilfen. Das ist eine neue Erfahrung für mich. Da finde ich es sehr hilfreich, wenn sie als Mentorin mein Verhalten als Chefin spiegelt und mir wichtiges Feedback gibt. Das sind alles in allem sehr persönliche Themen, über die ich aber mit den meisten meiner Freundinnen und Freunde nicht sprechen kann. Die wissen nicht, wie es ist, seine eigene Chefin zu sein, vor welchen Herausforderungen man steht, wie es ist, keinen Urlaub zu haben usw. Von daher bin ich sehr froh, dass Romina Geier und ich uns auch nach Ablauf des Mentorinnenprogramms weiterhin austauschen und ich sie jederzeit kontaktieren kann.

Und wie ist es mit handfesten unternehmerischen oder betriebswirtschaftlichen Themen wie Kundenakquise, Aufbau des Onlineshops usw.? Diese Themen war nicht Bestandteil des Mentorings?
Stoppert:
Das sind Dinge, mit denen ich ohnehin ganz gut klarkomme und die zum Teil auch in den Workshops von Women Entrepreneurship in Science ergänzend zum Mentoring vermittelt wurden. Besonders gut gefallen hat mir dabei unter anderem ein Schlagfertigkeitstraining für Gründerinnen. Das war superspannend, weil wir alle sehr offen darüber gesprochen haben, mit welchen verletzenden Sätze jede einzelne von uns schon einmal konfrontiert wurde, ohne eine passende Antwort parat zu haben. Also haben wir gezielt fünf, sechs Antworten und Strategien erarbeitet und das Ganze in Rollenspielen geübt.

Am 30. Juni veranstaltet Women Entrepreneurs in Science den Gründerinnen Summit 2022. Sind Sie mit dabei?
Stoppert:
Auf jeden Fall. Neben den Workshops bietet Women Entrepreneurs in Science auch Netzwerkveranstaltungen an, wobei die meisten bisher wegen Corona online stattfanden. Umso mehr freue ich mich auf die nächsten Treffen. Und den Gründerinnen Summit 2022 habe ich mir im Terminkalender rot angestrichen, weil ich mich einfach sehr darauf freue, alle mal live zu treffen.

Women Entrepreneurs in Science wird über die Landesinitiative Exzellenz Start-up Center.NRW gefördert.

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