Nathalie Prokop, Martin Gaspers und Sarah Dankenbring
© David Walter

„Unsere Coachin hatte selbst schon einmal gegründet und wusste daher ganz genau, worauf es ankommt.“

Mit ihrem umweltfreundlichen Reinigungs-Kit  noho kit wollen Nathalie Prokop, Sarah Dankenbring und Martin Gaspers zu einem ökologisch nachhaltigen Konsum beitragen. Für das notwendige Gründungs-Know-how sorgt dabei das Gateway Exzellenz Start-up Center an der Universität Köln.

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Frau Prokop, Sie bieten zusammen mit Ihren Co-Foundern ein umweltfreundliches Reinigungs-Kit an. Was ist das Besondere am noho kit?
Prokop: Unser Reinigungsmittel-Kit besteht aus drei umweltfreundlichen Komponenten. Je nachdem, wie man diese miteinander kombiniert, erhält man alle Reinigungsmittel, die man für den Haushalt braucht. Wir verfolgen damit einen ökologischen, aber auch minimalistischen Ansatz. Das heißt, wir setzen nur die Inhaltsstoffe ein, die wirklich notwendig sind zur Reinigung. Dadurch können wir auf viele Chemikalien verzichten, die sonst in die Umwelt gelangen würden, und wir greifen auf Ressourcen zurück, die schnell biologisch abbaubar sind. Außerdem vermeiden wir Plastikverpackungen.

In welchem Kontext ist die Idee entstanden?
Prokop: Ich hatte schon vor längerer Zeit bemerkt, dass die Reinigungsmittel, die ich persönlich benutze, nicht den ökologischen Standard haben, den ich gerne hätte. Ich habe dann zu Hause verschiedene Sachen ausprobiert, auch mit so genannten Hausmitteln. Das war aber alles nicht wirklich zufriedenstellend. Schließlich habe ich meine Freundin Sarah Dankenbring darauf angesprochen. Sarah hatte an der Universität Hannover ihren Bachelor gemacht und war in den letzten sechs Jahren als Industrieingenieurin in verschiedenen großen Chemieunternehmen beschäftigt.

Sie haben einen Master of Art in Germanistik an der Uni Bonn gemacht. Der Dritte im Bunde, Martin Gaspers, hat sein Masterstudium in Wirtschaftsmathematik an der Uni Köln absolviert. Da liegt die Idee, ein umweltfreundliches Reinigungsmittel zu entwickeln erst einmal nicht so nahe.
Prokop: Mag sein, aber wir drei legen viel Wert auf einen ökologisch nachhaltigen Konsum und haben gesehen, dass es beim Thema Reinigungsmittel ein Problem gibt. Insofern war die Idee, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das unseren eigenen ökologischen Ansprüchen entspricht, genau das richtige für uns.

Sie wurden von Gateway an der Uni Köln betreut. Wie sah diese Betreuung aus?
Prokop: In der Anfangsphase wurden wir sehr intensiv von einerStart-up-Coachin betreut. Wir hatten ein bis zwei Online-Meetings pro Woche und konnten alle möglichen Fragen rund um unsere Gründung klären. Dann haben wir uns natürlich mit der Produktentwicklung beschäftigt, wobei wir jetzt gerade dabei sind, das Produkt zu finalisieren. Das bedeutet, wir sind in der Pilotkundenphase und werden auch dabei durch Gespräche mit unserer Coachin unterstützt. Um sich tiefergehend mit Themen wie Marketing oder Finanzen zu beschäftigen, bietet das Gateway außerdem Veranstaltungsformate an, an denen Expertinnen und Experten teilnehmen, mit denen wir uns austauschen können.

Hatten oder haben Sie denn einen ganz speziellen Informationsbedarf?
Prokop: Bei uns war es so, dass keiner von uns je ein Start-up gegründet hat. Das war für uns ein unbeschriebenes Blatt. Insofern fanden wir es einfach unglaublich, was für eine tolle Unterstützung wir durch das Gateway erhalten haben. Unsere Coachin hatte selbst schon mehrfach gegründet und wusste daher ganz genau, worauf es ankommt. Alles in allem war es einfach sehr bereichernd, mit jemandem zu sprechen, der diesen Erfahrungsschatz mitbringt. Das war ein sehr, sehr großer Mehrwert.

Sie haben auch an der Impact Factory in Duisburg, die Gründungsteams aus der Green und Social Economy unterstützt, teilgenommen.
Prokop: Ja, wir nehmen dort an einem mehrmonatigen Accelerator-Programm teil und treffen uns alle zwei Wochen für zwei Tage zu einem Workshop. Aktuell sind wir gerade dabei, eine Strategie für den Markteintritt zu erarbeiten und recherchieren zum Beispiel welche Vertriebskanäle infrage kommen. Wenn alles wie vorgesehen klappt und wir im Anschluss an die Pilotkundenphase alle notwendigen Produktanpassungen vorgenommen haben, wollen wir im Herbst oder Winter 2021 mit unserem Onlineshop live gehen.

Sind Sie denn zufrieden mit der bisherigen Entwicklung?
Prokop: Ja, auf jeden Fall.Von der ursprünglichen Idee bis zum aktuellen Stand der Dinge hat sich unser Projekt sehr gut entwickelt. Am Anfang hatten wir ja erst einmal nur eine vage Idee und da wollten wir natürlich so schnell wie möglich Feedback bekommen, gerade von Expertinnen und Experten aus dem Bereich Reinigungsmittelchemie. Insofern war es sehr hilfreich, dass wir mit vielen Professoren sprechen konnten, die uns sehr guten Input gegeben haben und mit denen wir teilweise auch heute noch sehr engen Kontakt haben. Positiv war außerdem, dass wir an eine so ambitionierte Coachin geraten sind. Das ist definitiv nicht selbstverständlich, dass wir einfach aus jedem Gespräch mit ihr einen Mehrwert ziehen konnten.

Aber natürlich gibt und gab es auch Hürden. Man stößt täglich auf unvorhergesehene Probleme und Komplikationen, die man lösen muss. Zum Beispiel, was die chemische Formulierung betrifft. Darüber hinaus hat unser Team natürlich auch immer noch Know-how-Lücken. Keiner von uns hat je ein physisches Produkt auf den Markt gebracht. Aber wir suchen uns dann eben gezielt Menschen, die uns helfen können. Und im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass wir wirklich viel Glück hatten und sich alle Hürden dann doch als nicht allzu hoch herausgestellt haben.

Welchen Tipp können Sie anderen Gründungsteams geben?
Prokop: Ich glaube, mein bester Tipp ist: einfach machen. Der erste Schritt ist immer der schwierigste. Und: Es kommt letztendlich immer anders als man denkt. Generell sollte man einfach mal den Konjunktiv in seinem Kopf ausschalten und die Probleme lösen, wenn sie kommen. Was die Produktentwicklung betrifft: Hier kann ich nur empfehlen, frühzeitig mit vielen Kunden zu sprechen. Das ist wirklich wichtig.

 

Stand: August 2021

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