„Wir unterstützen die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen, damit aus guten Ideen schneller neue Unternehmen werden.“

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© MWIDE NRW/F. Wiedemeier

Interview mit Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

Ende 2018 hat die Landesregierung NRW den Förderwettbewerb „Exzellenz Start-up Center.NRW“ für die Universitäten des Landes durchgeführt. Was waren die Gründe dafür? Welche Lücken sollte er schließen?
Prof. Pinkwart:
Die Ausgangsanalyse war recht eindeutig: Nordrhein-Westfalen kann mehr beim Thema Gründungen aus Universitäten, als wir es bislang zeigen konnten. Wir haben eine exzellente Forschung und sehr viele Studierende, Absolventinnen und Absolventen sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit tollen Ideen für die Zukunft. Dieses Potenzial systematisch und hochschulweit zu erschließen, liegt auf der Hand. Dafür brauchte es aber einen großen Schritt nach vorne, eine gemeinsame Kraftanstrengung.

Im Mittelpunkt der Förderung stehen der Ausbau und die Weiterentwicklung bereits bestehender universitärer Unterstützungsangebote hin zu „Exzellenz Start-up Centers“, um das Gründungspotenzial an den transfer- und forschungsstarken Universitäten zu heben. Wie sieht Ihrer Einschätzung nach das „ideale“ Exzellenz Start-up Center.NRW aus?
Prof. Pinkwart:
Jede Universität muss natürlich von ihren eigenen Stärken, Schwächen und Potenzialen ausgehen. Alle sollten aber ein unternehmerisches Mindset vermitteln und wirtschaftliche Umsetzung frühzeitig mitdenken, gründungsgeeignete Forschungsideen sicher aufspüren und für Gründungsinteressierte aus der Hochschule gut organisierte und bedarfsorientierte Unterstützung anbieten.

Welche Voraussetzungen mussten die Universitäten erfüllen, um an dem Wettbewerb teilzunehmen?
Prof. Pinkwart:
Gefordert war ein Nachweis der bereits praktizierten Gründungsunterstützung, ein Zukunftskonzept zum Ausbau auf ein exzellentes Niveau und ein Bekenntnis der Universitätsleitung zur Unterstützung des Exzellenz Start-up Centers und zur langfristigen Fortsetzung mit eigenen Mitteln nach dem Ende des öffentlich geförderten Projektes.

Waren Sie mit der Bewerberzahl zufrieden?
Prof. Pinkwart:
Das Interesse war mehr als zufriedenstellend und zeigt, dass alle Universitäten das Thema „auf dem Schirm haben“: Alle 12 staatlichen nordrhein-westfälischen Universitäten haben Bewerbungen eingereicht und sich damit einem landesweiten Wettbewerb gestellt. Die Konzepte waren durchweg anspruchsvoll und auch sehr verschieden. Die Jury stand vor der fordernden Aufgabe, die Besten unter den Guten auszuwählen.

Im Januar 2019 wurden dann sechs Universitäten ausgewählt. Ohne auf die Details einzugehen: Lässt sich auf einen Nenner bringen, mit was die Hochschulen die Jury überzeugt haben?
Prof. Pinkwart:
Auf einen Nenner lässt es sich nicht bringen, aber es gab gute Gründe, war-um genau diese sechs Universitäten überzeugen konnten: Die vorgestellten Konzepte und Ideen waren innovativ, die Universitäten ließen in ihren Anträgen und bei den Präsentationen vor der Jury Gründungsgeist erkennen, die Universitäten einschließlich des Rektorats standen insgesamt hinter der Bewerbung und – was mir persönlich sehr wichtig ist – die Bewerber hatten ein überzeugendes Verstetigungskonzept vorgelegt. Die Förderung soll ja kein Strohfeuer sein, sondern zu bedeutsamen Anteilen in die Nachhaltigkeit überführt wer-den. Das wurde von vornherein mitgedacht.

Die sechs Universitäten erhalten während der fünfjährigen Förderphase insgesamt rund 116 Millionen Euro. Wie sieht der weitere Ablauf der Förderinitiative aus?
Prof. Pinkwart:
Ein erster großer Meilenstein wird die Zwischenbewertung der Vorhaben durch die Expertinnen und Experten der Jury im ersten Quartal 2022 sein. Hier werden auf der Grundlage von Fortschrittsberichten die bislang erreichten Meilensteine in den einzelnen Projekten überprüft. Daneben haben wir ein unabhängiges Monitoring der Projekte durch den Stifterverband etabliert. Auf diese Weise wollen wir nicht nur Kennzahlen über-prüfen, sondern auch Wissen und Erfahrungen sammeln, die auch anderen Hochschulen helfen können, ihre Gründungsunterstützung weiter zu professionalisieren und auszubauen.

Ergänzend werden auch Einzelvorhaben gefördert, wie z. B. an der Bergischen Universität Wuppertal oder der Universität Bonn. Wie kam es zu der Entscheidung, ausgewählte Einzelvorhaben zu unterstützen?
Prof. Pinkwart:
Im Ergebnis des Auswahlprozesses hatte die Jury empfohlen, nicht nur die sechs Exzellenz Start-up Center zu fördern, sondern auch Vorhaben an den Universitäten, die nicht zum Zuge kamen, aber dennoch überzeugende Teilprojekte präsentiert haben. Denn es ist wichtig, auch an diesen Universitäen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie in der Zukunft Exzellenz-Status erreichen können.

Die Exzellenz Start-up Center.NRW sind im Juni bzw. September 2019 an den Start gegangen. Welche Bilanz ziehen Sie?
Prof. Pinkwart:
Solche großen, auch auf strukturelle Veränderungen angelegten Vorhaben brauchen immer ihre Zeit und die Zwischenbewertung durch die Jury steht auch noch aus. Ich habe aber den Eindruck, dass der Start der Projekte hervorragend geklappt hat und dass wir trotz einiger Einschränkungen durch die Corona-Pandemie einen hohen Zielerreichungsgrad sehen. Die Universitäten als Quelle von Gründungen werden nachhaltig gestärkt und Gründungskultur sowie Gründungsunterstützung sind auf dem besten Wege, im universitären Alltag als dauerhafte und sozusagen selbstverständliche Aufgabe verankert zu werden. Daher bin ich davon überzeugt, dass wir mit diesem Programm den Wandel hin zu gründungsaffinen Universitäten angestoßen haben, der in der Folge mehr und besser unterstützte Start-ups hervorbringt, und dass hierdurch das Start-up-Ökosystem in Nordrhein-Westfalen insgesamt weiter vorangebracht wird.

 

Tipp:

Lesen Sie mehr dazu in der Broschüre „Hochschulen in Nordrhein-Westfalen: Keimzellen für innovative Start-ups“ (PDF, 7 MB)

 Stand: November 2021