Erfolgreicher Start des RWTH Incubation Program

„Das Programm hat unsere Erwartungen übertroffen“, sagt Thomas Roth, Co-Gründer des Medizintechnik-Start-ups InnoSurge AC. Zusammen mit seinen Mitstreitern sowie elf weiteren Gründungsteams hat er an der Pilotrunde des Incubation Program an der RWTH Aachen teilgenommen. Wir haben die Gründer Thomas Roth und Fabian Stamm sowie den Geschäftsführer Dr. Marius Köpf nach ihren Erfahrungen gefragt.

Im Frühjahr 2020 fiel der Startschuss für das Incubation Program an der RWTH Aachen. Das neue Programm wurde mit Unterstützung der Förderinitiative Exzellenz Start-up Center.NRW auf die Beine gestellt und wird von RWTH Innovation, dem Entrepreneurship Center an der RWTH, durchgeführt.

Im Mittelpunkt stehen ein individuellesMentoring, Workshops, Networking und insbesondere Kontakte zu Investoren und Unternehmern. Mit Hilfe dieser aufeinander abgestimmten Angebote sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer innerhalb von vier Monaten einen Proof of Concept entwickeln, Zugang zum Markt erhalten und eine erste Finanzierungsrunde vorzubereiten. Begleitet werden sie dabei von hochschulinternen Mentoren und externen Fachberatern. Darüber hinaus erhalten sie Zugang zur RWTH-Infrastruktur, zum Collective Incubator und digitalHUB Aachen. Bewerben können sich Gründungsteams mit einer ersten Pre-Seed-Investition (z.B. EXIST) oder einer Runway von sechs Monaten.

Die Pilotrunde des Incubation Program fand von April bis September 2020 (zukünftig beträgt die Dauer vier Monate) statt. Mit dabei waren die folgenden drei Gründer bzw. Unternehmer. Wir haben sie nach ihren Erfahrungen mit dem Incubation Program gefragt.

  • Dr.-Ing. Marius Köpf, Geschäftsführer der Fibrothelium GmbH. Das Team hat an der RWTH ein Verfahren zur Herstellung einer Proteinlösung aus Seidenkokons entwickelt. Das Biomaterial eignet sich für medizinische Zwecke und kann zu medizinischem Klebstoff, Schrauben, Platten, Vliesen und weitere Materialien weiterverarbeitet werden.
  • Thomas Roth, Co-Gründer von InnoSurge AC. Das Team entwickelt an der Uniklinik RWTH Aachen eine Software zur automatisierten Planung chirurgischer Eingriffe. Das KI-gestützte Verfahren befähigt Ärzte, eine virtuelle OP-Planung selbst vorzunehmen, was zu einer enormen Zeitersparnis führen kann. Zudem profitieren Patienten von optimierten Resultaten
  • Fabian Stamm, Co-Gründer der Terranigma Solutions GmbH. Das Team hat seine Businessidee am Institut für Computational Geoscience and Reservoir Engineering der RWTH Aachen entwickelt. „Liquid Earth" steht für eine innovative cloud-basierte und KI-gestützte Softwarelösung zur Modellierung und Visualisierung von Gesteinsschichten und Strukturen im Untergrund und ist zum Beispiel im Bergbau, Bauwesen oder der Geothermie von entscheidender Bedeutung.

 

Herr Roth, warum hatten Sie sich für das Incubation Program an der RTWH beworben?

Thomas Roth:Wir dachten, dass das Programm eine tolle Möglichkeit für uns wäre, gute Unterstützung zu bekommen und die Kommerzialisierung unseres Produkts voranzutreiben sowie unser Netzwerk auszubauen.

Herr Köpf, was hat Sie an dem Programm gereizt?

Marius Köpf: Wenn man wie wir aus der Forschung kommt, fehlt einem oft das Verständnis dafür, wie man Kontakte zu Investoren knüpft, wie man seine Start-up-Idee in einem Pitch prägnant vorstellt usw. Das wollten wir im Rahmen des Programms lernen.

Herr Stamm, für Sie kam das Programm zur rechten Zeit?

Fabian Stamm: Ja, wir hatten bereits gute Erfahrungen mit dem Entrepreneurship Center an der RWTH, der RWTH Innovation, gemacht. Als wir hörten, dass es dieses neue Incubation Program gibt, haben wir uns daher gleich für eine Teilnahme interessiert. Das hat für uns sehr gut gepasst. Und das Mentoring und die Workshops konnten wir gut gebrauchen.

Und wurden Ihre Erwartungen erfüllt?

Fabian Stamm: Absolut. Uns hat das Programm sehr dabei geholfen, nicht nur technisch-wissenschaftlich, sondern vor allem auch kundenorientiert und unternehmerisch denken zu lernen und zu begreifen, wie diese Businesswelt funktioniert.

Herr Köpf, Herr Roth, wie sah das bei Ihnen aus?

Marius Köpf: Unsere Erwartungen wurden auf jeden Fall erfüllt. Wir haben einen eigenen Mentor zur Seite gestellt bekommen, mit dem wir ein wirklich professionelles und präsentables Pitch-Deck erstellen konnten. Ich hätte nicht gedacht, dass das so möglich ist, aber es hat sehr gut geklappt. Davon werden wir am meisten profitieren: Dass wir unser Unternehmen jetzt überzeugend präsentieren können – auf Englisch.

Positiv war auch, dass die Gespräche mit Investoren und anderen Beteiligten vertraulich waren. Wir konnten Fragen stellen – egal welcher Art und natürlich auch zu branchenspezifischen Themen. Schade war natürlich, dass coronabedingt keine persönlichen Kontakte zustande kamen. Trotzdem hätten es für meinen Geschmack ruhig noch mehr Erfahrungsberichte aus dem Alltag von Gründerinnen und Gründern aus unserer Branche geben können.

Thomas Roth: Ich kann sagen, dass das Programm unsere Erwartungen übertroffen hat. Besonders gut hat uns gefallen, dass wir ein festes und sehr engagiertes Team an Ansprechpartnern hatten. Die Organisation der vielfältigen Aktivitäten war wirklich professionell. Insofern waren wir alle „durch die Bank“ sehr zufrieden.

Und was hat Sie wirklich vorangebracht?

Thomas Roth: Dass wir viele erfolgreiche Gründerinnen, Gründer, Investorinnen und Investoren kennengelernt haben – auch wenn pandemiebedingt sämtliche Veranstaltungen online stattgefunden haben. Wir hatten auch Kontakt zu Institutionen, zu denen man sonst keinen einfachen Zugang bekommt, wie zum Beispiel der Forschungsabteilung „X, the moonshot factory“ von Google bzw. Alphabet. Die Menschen hinter „X“ waren wirklich faszinierend! Vor allem aber fand ich es fantastisch, von Leuten zu lernen, die erfolgreich sind, die wirklich etwas geschafft und erreicht haben. Hilfreich war natürlich auch die professionelle Unterstützung bei der Layout-Überarbeitung unseres Pitch Decks sowie beim Design unseres Logos und unserer Webseite.

Wie sah es mit dem Thema Finanzierung aus?

Thomas Roth: Als es darum ging, eine Anschlussfinanzierung auf die Beine zu stellen, hatten wir diverse Veranstaltungen mit Investoren – mal als Workshop, mal als Vortrag. Das heißt wir wurden darauf vorbereitet, wie man auf Investoren zugeht, welche Informationen sie in einem Pitch Deck erwarten usw. All das passte auch sehr gut zu unserem Projekt. Aktuell werden wir durch EXIST-Forschungstransfer gefördert, aber bereiten uns schon heute auf unsere Ausgründung – übrigens unter neuem Namen – sowie eine anschließende Finanzierungsrunde vor.

Herr Stamm, wovon haben Sie beim Incubation Program besonders profitiert?

Fabian Stamm: Von den Workshops. Wir hatten alle zwei Wochen jeweils mittwochs zweistündige Workshops zu bestimmten Themen, wie zum Beispiel zu Fragen des Kundennutzens, zur Produktkonzeption. Product market fit nennt sich das. Unser größtes Learning war dabei, dass wir viel früher als ursprünglich geplant ein erstes „überlebensfähiges“ Produkt, also ein minimum viable product, entwickeln mussten. Das haben wir getan, so dass wir jetzt mit der Produktvalidierung anfangen können. Sehr geholfen hat uns auch das Coaching. Jedes Team hatte ja einen eigenen Coach. Und nicht zu vergessen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Incubation Program. Die waren wirklich mit sehr viel persönlichem Engagement dabei und haben uns mit ihrem Feedback unterstützt.

Wie geht es jetzt weiter mit Ihren Start-ups? Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Thomas Roth: Wir konzentrieren uns gerade auf die Fertigstellung unserer Software und der zugrundeliegenden künstlichen Intelligenz. Außerdem wollen wir noch enger mit Kliniken und Chirurgen zusammenarbeiten, um unseren Marktstart vorzubereiten. Geplant ist auch der Aufbau einer internationalen Vertriebskooperation.

Fabian Stamm: Eines unserer wichtigsten Learnings war, wie gesagt, dass wir so schnell wie möglich mit der Produktvalidierung beginnen müssen. Wir müssen unsere bisherigen technologischen Entwicklungen mit den Kundenbedürfnissen abstimmen. Im ersten Quartal 2021 werden wir dann gemeinsam mit unseren Pilotpartnern eine erste Version unserer cloudbasierten Geomodellierungslösung „Liquid Earth“ herausbringen.

Marius Köpf: Wir stehen kurz vor der Zulassung unseres ersten Produkts, ein Implantat auf Basis des von uns aus Seidenkokons isolierten Biomaterials Fibroin. Außerdem werden wir uns im nächsten Jahr auf die Vermarktung unserer Fibroinlösung konzentrieren. Sie dient uns selbst als Ausgangsmaterial für die Implantatherstellung und wurde in diesem Jahr zunehmend von Unternehmen und Forschungsorganisationen bei uns angefragt.

Incubation Program

Pro Jahr finden zwei Bewerbungsrunden für das Incubation Program statt. Termine und weitere Informationen finden Sie auf der Webseite von RWTH Innovation.

 

Stand: Dezember 2020